Heidrun Garmhausen ist Übungsleiterin: Mit den Kleinsten in Hoykenkamp durchs Bewegungsparadies

Heidrun Garmhausen hat selbst als Achtjährige mit dem Turnen angefangen, mittlerweile ist sie seit 34 Jahren Übungsleiterin der Kleinsten. Foto: Birgit Stamerjohanns

Hoykenkamp. Sport spielt für Heidrun Garmhausen eine wichtige Rolle – und das schon zu einer Uhr­zeit, wo sich andere noch einmal gemütlich im Bett umdrehen. „Ich habe gerade Tele­gymnastik gemacht“, erklärt Heidrun Garmhausen am Morgen um kurz nach acht. In puncto Beweglichkeit kann der 65-jährigen Delmenhorsterin kaum einer das Wasser reichen. Ein Vorteil, denn bei ihrem Ehrenamt, das sie im Verein ausübt, sind eine ge­wisse Flexibilität und Schnelligkeit gute Voraussetzungen.

Heidrun Garmhausen ist Übungsleiterin beim Kinderturnen. Die jüngsten Mitglieder der Turnerschaft Hoykenkamp machen unter ihrer Anleitung erste Erfahrungen mit Bewe­gung, Koordination und dem eigenen Körper. Seit 1985 ist die gelernte Industriekauf­frau beim Kinderturnen aktiv: „Ich bin diejenige, die immer dabeigeblieben ist.“

Sie selbst hat ihre Sportkarriere ebenfalls mit dem Kinderturnen im Hoykenkamper Verein begonnen: Bei Gisela und Rolf Mahlstedt übte die damals Achtjährige Laufen, Springen und Turnen. Irgendwann suchte Gisela Mahlstedt dann eine Nachfolgerin für den Übungsleiter-Posten.

„Wir hatten zuvor mehrere Jahre in der Eifel gelebt, ich musste mich in Delmenhorst sowieso erst einmal neu orientieren“, erinnert sich Heidrun Garmhausen, deren Mann Burkhard heute der Vorsitzende der Turnerschaft ist. So nahm sie das Ehrenamt im Jahr 1985 gern an, absolvierte später die Prüfung zur Übungsleiterin.

Kinderturnen ist seitdem ein fester Bestandteil im Leben der 65-Jährigen: „In der gan­zen Zeit habe ich erst an einem einzigen Montag gefehlt“, sagt Heidrun Garmhausen. Am Montag und am Dienstag finden die Übungsstunden statt. Die Kleinsten beim El­tern-Kind-Turnen sind gerade ein Jahr alt – für viele ist das Laufen noch genug sportli­ che Herausforderung. Aber auch Schulkinder turnen sehr gern bei Heidrun Garmhausen. Insgesamt unterrichtet sie rund 150 Kinder aus Hoykenkamp und Umgebung: „Mittler­weile haben meine ehemaligen Turnkinder schon wieder eigene Kinder, die an meinen Gruppen teilnehmen“, freut sich die passionierte Sportlerin.

Allerdings ist es nicht damit getan, den Kindern beim Gang über eine Wippe oder beim Erklimmen eines Kastens zu helfen: „Wir benötigen rund eine Stunde für den Aufbau“, sagt Heidrun Garmhausen, die mit Hannelore Kipar, Silke Wandelt, Kirsten Laging so­wie einigen „starken Männern“ tatkräftige Unterstützung hat.

Denn für das Kinderturnen verwandelt sich die Heider Halle in ein wahres Bewegungs­paradies: Möglichkeiten zum Klettern und Balancieren, Tunnel zum Hindurchkrabbeln, weiche Matten zum Herumtollen – bei den Kleinen ist Abwechslung gefragt. Sie sollen schließlich Lust bekommen, sich zu bewegen und Neues auszuprobieren.

„Ich bin der Typ, der gern organisiert“, so Heidrun Garmhausen, „ich plane gern die St­unden und mache mir Gedanken über die Gestaltung.“

Neben ihrem Job als Übungsleiterin ist Garmhausen während der Sommermonate auch als Prüferin für das Sportabzeichen aktiv. Für sie bringt das Ehrenamt im Sportverein vor allem viel Freude: „Ich liebe es, mit Kindern zu arbeiten und ihre Entwicklung zu sehen.“ Sie gibt auch zu: „Ich habe keine große Lust, mit Erwachsenen zu turnen, das können andere besser.“

In den kommenden Jahren möchte die aktive Delmenhorsterin ihrem Job als Übungslei­terin gern treu bleiben – vorausgesetzt, sie bleibt gesund. „Wir machen schon Witze darüber, dass ich mit 70 noch in der Halle stehe“, lacht Garmhausen. Ganz abwegig ist der Gedanke nicht – schließlich fehlt es auch beim Kinderturnen an Übungsleiter-Nach­wuchs: „Viele Eltern arbeiten, die schaffen es gerade einmal, ihre Kinder zu deren Sportstunde zu begleiten.“

Eine Tätigkeit als Übungsleiter sei für die meisten nicht denkbar. Auch Jugendliche ha­ben Probleme, Schule und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen: „Die haben teilweise bis 17 Uhr Schule, da bleibt keine Zeit mehr.“

Heidrun Garmhausen ist sich sicher, dass viele Menschen Lust hätten, sich zu engagie­ren, nur eben keine Zeit. „Ich selbst habe damals meinen Beruf aufgegeben, daher konnte ich für den Verein arbeiten“, so die Mutter zweier erwachsener Kinder. Und sie freut sich auch, dass ihr noch Zeit für die eigene Sportlichkeit bleibt: nicht nur morgens vor dem Fernseher, sondern auch bei Fitness-Kursen und Zumba.

Vom dk-online, 18.12.2019, 19:39 Uhr