Prellball-Kreismeisterschaft: Comeback des 90-jährigen Hoykenkampers Georg Schmidt

Spannendes Duell im Modus Jeder gegen jeden: die Partie zwischen dem TV Brettorf (vorne) und der TS Hoykenkamp. Foto: Rolf Tobis

Schierbrok. Die Prellball-Kreismeisterschaften wurden extra für ihn nach Schierbrok verlegt: den 90-jährigen Georg „Schorse“ Schmidt. Bei den Kreismeisterschaften gab er jetzt für den TS Hoykenkamp sein Comeback.

Samstag. Bremen. Hauptbahnhof. Georg Schmidt, den sie „Schorse“ nennen, wartet auf seine Bekannte, die aus Düsseldorf anreist. Um die Zeit bis zu deren Ankunft zu überbrücken, studiert er das Delmenhorster Kreisblatt. Als er eine Vorschau zur Kreismeisterschaft der Prellballer und den Austragungsort Halle Altengraben (Schierbrok) liest, stutzt er. „Ich habe gedacht: „Wer hat das denn veröffentlicht.“ Ich konnte mir das erst nicht zusammenreimen“, sagt der Ehrenvorsitzende der Turnerschaft Hoykenkamp (TSH) drei Tage später. Grund: Die Titelkämpfe sollten ursprünglich beim TV Brettorf stattfinden.

38 Jahre lang Vorsitzender

Die Meldung entspricht jedoch den Tatsachen. „Meine Bekannte hat das Rätsel dann aufgelöst“, sagt Schmidt, der 38 Jahre lang als Vorsitzender der Turnerschaft fungierte. Zu Ehren des 90-Jährigen, der nach überstandener Krankheit vor dem Comeback als Prellballer steht, hat sein Verein den Wunsch geäußert, die Kreismeisterschaft in der Halle Altengraben austragen zu können. Die übrigen Teilnehmer, die befreundeten Vereine TV Brettorf und Bookholzberger TB, stimmten sofort zu. Und alle hielten dicht. Am Samstag, am Tag vor der Meisterschaft, die die Brettorfer gewannen, war es allerdings mit der Geheimhaltung vorbei.

Macht nichts. „Es war total überraschend und hat mir gut gefallen“, betont Schmidt. „Schorse hat sich sehr gefreut“, bestätigt Fritz Gillerke, ebenfalls Hoykenkamper Prellballer und gemeinsam mit Fritz Fokken einer der Drahtzieher der Geheimaktion. Die wichtigste Erkenntnis bringt Gillerke auf einen Nenner: „Das Comeback ist geglückt.“ Er habe, so Schmidt, alles gut überstanden. „Ich bin gut drauf“, sagt er.

Öfter als Altherrensport belächelt

Letzteres ist eine wichtige Voraussetzung, wenn man sich für Prellball, eine Sportart, die, sagen wir mal, nicht zu den Top Ten gehört, entschieden hat. Dieses Rückschlagspiel, dieses Mannschaftsspiel ohne gegnerischen Körperkontakt, das zuweilen als „Altherrensport“ belächelt wird, verlangt dem Spieler einiges ab. Auf dem Feld, das durch ein Netz in 40 Zentimetern Höhe geteilt ist, stehen einander zwei Mannschaften, die üblicherweise aus vier Akteuren bestehen, gegenüber. Zu jedem Team gehören – optimalerweise – zwei Auswechselspieler.

Hauptsächlich in Deutschland und Österreich

Ziel dieses Sports, der hauptsächlich in Deutschland und Österreich verbreitet ist, ist es, das Spielgerät mit der Faust oder dem Unterarm so auf den Boden des Eigenfeldes zu prellen, dass es über das Netz ins Feld des Gegners gelangt. Es versteht sich daher von selbst, dass jeder Spieler bemüht ist, den Ball so zu spielen, dass dem Gegenüber die Annahme erschwert wird. Das ist leichter gesagt als getan. Gewonnen hat die Mannschaft mit den meisten Punkten. Die Spielzeit beträgt 2 x 10 Minuten.

Schmidt spielt durch

Somit standen die sechs Teams während der Kreismeisterschaft jeweils 100 Minuten auf dem Feld. „Schorse hat sich nicht auswechseln lassen“, staunt Gillerke. „Ich bin konditionsmäßig gut zurechtgekommen“, erklärt Schmidt. Für die Tatsache, dass er durchgespielt hat, nennt er einen plausiblen Grund: „Auswechseln ging nicht. Wir waren ja nicht so viele.“ Wenn es um Prellball geht, ist der 90-jährige Schmidt, Hauptdarsteller bei der Kreismeisterschaft, das beste Beispiel dafür, dass es altersmäßig nach oben keine Grenzen gibt. „Nach unten aber auch nicht“, sagt Gillerke lachend. Der 60-Jährige und der ein Jahr jüngere Fokken sind in ihrem Alter die Küken bei den Hoykenkampern.

Gillerke spricht von einer „guten Veranstaltung“ und davon, dass alle zufrieden gewesen seien. Besonders wichtig ist es für ihn, dass Schmidt zufrieden ist: „Schorse hat viel für den Verein getan und wir wollten etwas zurückgeben.“

Vom dk-online, 14.11.2019, 18:59 Uhr